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Thema: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Der Umgang mit Musikaufnahmen und unser Hörverhalten

Schaut man sich in Foren wie diesem um, so kann man einen Trend im Umgang mit Musik beobachten, der immer stärker in die Richtung tendiert, so viel Musik wie möglich, in bestmöglichster Qualität zu sammeln und diese dann auf möglichst vielen Medien wiedergeben zu können.
Ich frage mich daher, ob dies auch unser Hörverhalten dahingehend verändert, dass immer weniger "bewusst" Musik gehört wird, sondern Musikaufnahmen immer mehr als Soundtrack für unseren Alltag verwendet werden?
Hört man heutzutage noch Musik ohne irgendetwas anderes nebenher zu machen? Voll und ganz auf das konzentriert, was uns der oder die Künstler mit ihren Aufnahmen bieten? Oder wird sämtliches Material was wir in die Finger bekommen nur noch auf unseren Computern archiviert, für den entsprechenden Player konvertiert und für die passende Gelegenheit aussortiert?
Ich meine, hier wird darüber diskutiert, wie man am besten seine CD's rippt, in welchem Format man das gerippte Material am besten archiviert und mit welchem (software-) Player man es am besten abgespielt. Wie und wo man die Musikaufnahmen dann aber hört wird nicht erwähnt - und genau dass fände ich interessant zu erfahren.

2 bearbeitet von caliban (Original: 2007-06-22 09:54)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Ich staune auch immer wieder im Angesicht der Größenangaben mancher Musikarchive :) ... ich persönlich habe nur von wenigen Künstlern die komplette Discographie. Von den meisten nur einzelne Alben. Grob über den Daumen gepeilt höre ich "normale" Musik als Begleitung - sprich wenn ich irgendwo hinlaufe oder fahre, oder wenn ich gerade dabei bin etwas zu tun. Das ist dann eher ein unbewusster Konsum. Da meine Sammlung aber nicht so groß ist, guck ich dann doch immer mal wer da gerade singt, welches Album, welche Titel ich da eher selten höre etc.

Völlig anders sieht das bei Filmmusik aus. Hier habe ich nur 18 FLAC Alben und viel mehr als MP3. Die FLACs sind von mir, die MP3's von CD's von einem Freund. Hier lege ich mich gern einmal hin und tu nichts anderes als zuhören. Bzw. höre ganze Alben nebenbei, wenn ich z.B. ein Buch lese. Aber wie gesagt ist hier der Konsum bei mir viel bewusster.

Meine Empfindung ist auch, dass zunehmend passiv konsumiert wird. Die Entwicklung  von Radiosendern, unter denen es immer weniger gibt, mit einem wirklichen Programm (z.B. zweistündige Musiksendungen zu einer Band, oder zu einem bestimmten Thema), ist ja auch ein Anzeichen dafür. Wenn selbst Klassik Radio mit den größen KlassikHITS wirbt... nunja... spricht doch Bände. Kleine Happen machen sich wahrscheinlich besser, da die Konsumenten kaum noch Zeit auf komplette und komplexe Stücke verwenden.

ps. allein die Dynamik bestimmer Soundtracks zwingt zum Aktivhören... da der Umgebungslärm sämtliche leisen Passagen gnadenlos verschlingt. Diese gehören aber für mich zum "Gesamtgenuss" dazu, also muss ich bewusst zuhören.

Ihr lehrtet mich reden, und der ganze Vortheil den ich davon habe, ist daß ich fluchen kann; daß ihr die Pest dafür hättet, daß ihr mich reden gelehrt habt!

3 bearbeitet von DAU (Original: 2007-06-22 23:11)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Hmmm...

... das Thema hatten wir in anderer, aber nicht unähnlicher Form, im vergangenen Jahr schon einmal.

mp3 zerstört Kunst? - Wohl kaum!

Ich will Euch dennoch Antwort geben, wenn auch recht subjektiv gefärbt, denn irgendwie zeigt Euch unsere Community wohl gerade die "kalte Schulter", weil ihr an ein Thema rührt, das sehr viele Leute, die lange dabei sind, längst "in's Private" verschoben haben. Dies vielfach als eine Folge von Verletzungen vor vielen Jahren. Nicht wenige von uns sind "Asylanten" oder "Flüchtlinge", hier gestrandet ob ihrer "Spleenigkeit", welche oftmals in der Richtung festgemacht wurde, "dass der Aufwand doch wohl nicht ernsthaft zu vertreten sei", oder, "ob er sich denn lohne". Fast immer war dies mit der Absicht verbunden, uns vorzuführen.

Dass die "Allgemeinheit" oder der "Zeitgeist" hinsichtlich des technisch orientierten Umgangs in Sachen Musikaufbewahrung und dem damit verbundenen Thema des "Transports der Inhalte" im Laufe der Zeit nun auch dort angekommen sind, wo wir uns vor Jahren bereits oftmals befanden, dürfte wohl nicht unser alleiniger Verdienst sein, sondern in mancherlei Hinsicht wahrscheinlich auch einfach nur auf dem simplen Zufallsprinzip beruhen. Manchmal genügt es aber einfach auch, nicht nachzugeben und übrigzubleiben, und schon erscheint man als "Gewinner", obwohl man ab einem gewissen Zeitpunkt eigentlich nur noch seine Ruhe haben wollte. Letztlich bereut man dann den Sachverhalt fast schon wieder, dass solche Hobbyseiten wie AudioHQ an Popularität gewinnen, weshalb man fast schon wieder versucht ist, sie "entschwinden" zu lassen. Wohin auch immer...

Andererseits kann ich durchaus Eure Nachfragen und die damit verbundene Neugier nachvollziehen.

Auch auf die Gefahr hin, zu langweilen, hier meine recht eigenwilligen Ansichten dazu. Oder anders: Eine Geschichte, wie sie subjektiver sicher nicht sein könnte.

Werteverfall

Ich glaube, die meisten Leute, die für die Definition des "Werteverfalls" verantwortlich sind, gehören der schreibenden Zunft an. Sie scheinen mir mit Unsterblichkeit ebenso ausreichend versorgt zu sein, wie mit Themen, bei denen im Spiegel-, Focus- oder im Nachmittags-TV kaum auffällt, dass sie älter sind als diejenigen, die sie immer wieder neu an dünnen Fäden herbeiziehen. Manchmal denke ich, sie sind sogar genauso alt wie die Menschheit selbst, weshalb man sie in gewisser Weise schon als Archetypen bezeichnen könnte.

Mit dem "Werteverfall" ist das eben so eine Sache, weshalb ich annehme, dass die meisten Leute, die sich hier in mehr oder weniger regelmässigen Abständen aufhalten, nur wenig dazu mitteilen möchten. Mir jedenfalls geht es so. Alte Männer oder Frauen nehmen halt gern das Vorrecht für sich in Anspruch, nicht mehr "auf alles" antworten zu müssen.

Zytophag schrieb:

Schaut man sich in Foren wie diesem um, so kann man einen Trend im Umgang mit Musik beobachten, der immer stärker in die Richtung tendiert, so viel Musik wie möglich, in bestmöglichster Qualität zu sammeln und diese dann auf möglichst vielen Medien wiedergeben zu können.

"Trend"?

"Immer stärker in die Richtung ..."?

Auf welche Art hast Du Dich denn umgeschaut?

Wo z.B. trifft mich der "Werteverlust"? Was kann ich dafür, wenn andere Werte verlieren, weil sie so schlampig mit ihnen umgehen und nicht Ordnung und Übersicht in ihren Angelegenheiten halten? Mal abgesehen davon, waren das dann wohl ohnehin nicht "meine Werte", die da verfielen, weil eben meine Werte von mir ordentlich auf meinem Rechner in meinem Archiv abgelegt werden. Überhaupt: Was haben mich anderer Leute "Verfallserscheinungen" zu interessieren? Ich habe mich mit 30+ auf meine eigenen körperlicher Art vorzubereiten... ;)

Was hat die Werteverfall-Diskussion überhaupt damit zu tun, dass ich mich ordentlich um meine CD-Sammlung kümmere, sie meinem Geschmack und meinen Vorlieben entsprechend zusammenstelle und sie für Abspielgeräte passend ablege?

Logisch auch, dass da bei mir seit 1984 viel Musik zusammengekommen ist und ich stolz bin, dass mein Archiv auch heute weiter wächst, und logisch auch, dass es eine gewisse Grösse erreicht hat, sodass ich bequem über eine ausreichend grosse Auswahl an "Hintergrundmusik" verfüge. Dabei auf bestmögliche Qualität Wert zu legen, war seit jeher meine Entscheidung. Mir war bisher nicht bewusst, dass darin etwas Verwerfliches zu finden sein könnte, man sich erklären müsste oder, dass man zu einem "Werteverfall" beiträgt.

Vor gar nicht all zu langer Zeit musste man sich bei der Ausübung unseres Hobbys noch als "Freak", "Krimineller" oder "Raubkopierer" öffentlich in Sippenhaft nehmen lassen und mit Leuten herumplagen, die oftmals gar nicht wussten, wovon wir redeten. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Menge oberflächlicher und klar erkennbarer, man verzeihe mir die Ausdrucksweise, scheinheiliger Deppen und Geschäftemacher in großer Zahl mit berechenbaren Motiven ihren Spass dabei hatten, erstmal "Dreck zu werfen", indem sie zu Beginn Diskussionsbereitschaft heuchelten, um dann stufenweise diese wieder mittels ihres offenbaren Verhaltens zu verneinen, während sie eben diese immer öffentlich postulierten.
Kein Wunder, dass so viele von uns sich irgendwann in's "Private" zurückgezogen haben, weil: Wer verschwendet schon gerne seine Lebenszeit damit, sich immer wieder auf dieselbe Tour vorführen zu lassen? Ich jedenfalls fand es damals gut, dass wir uns mit unseren gar nicht mal so unähnlichen Ansichten zusammengetan haben, um uns hier über unser Hobby in einer ruhigen Nische austauschen zu können, auch wenn man uns evtl. für "spleenig" halten mag.

Nun sind seitdem einige Jahre vergangen, aber es werden immer noch die selben Säue durch die selben langweiligen Dörfer getrieben. Von den immer selben Medien und Leuten mit ähnlichen Motiven. Im Hinblick auf die erwähnte Vorgeschichte frage ich mich: Wen von uns "Altvorderen" juckt das eigentlich noch? Egal, was wir hier in unserem vermeintlich "versnobten Reservat" diskutieren, es wird immer Leute geben, die "Werteverfall" allerorten feststellen, und im selben Atemzug für sie gewinnbringende "Patentrezepte" anbieten. Viele von ihnen tun dies ja schliesslich als "Profis". ;)

Zytophag schrieb:

Ich frage mich daher, ob dies auch unser Hörverhalten dahingehend verändert, dass immer weniger "bewusst" Musik gehört wird, sondern Musikaufnahmen immer mehr als Soundtrack für unseren Alltag verwendet werden?

Für mich: Eine gewagte These auf wackligem Stand.

Denn, warum sollte ich mich in der Hinsicht angesprochen fühlen, dass ich Musik nicht mehr bewusst höre. Soweit ich das mitbekommen habe, sind hier fast nur Leute unterwegs und melden sich ab und an mal zu Wort, die doch gerade deshalb sehr viel Aufwand treiben, weil sie ihre Musik bewahren wollen.

Vielleicht machen wir deshalb kein Aufhebens darum, weil wir untereinander ohnehin davon ausgehen, dass jeder auf seine Art einen Heidenspass mit seiner Mucke hat, sonst würden wir doch auch nicht soviel Sorge dafür tragen, dass uns "unsere Schätzchen" nicht abhanden kommen.

Ich habe es nie vermisst, dass sich hier eben nicht, wie in HiFi-, Musik-, Apple-, Heise-, Zeitschriften-, Sony- oder Microsoft-Fanboy-Foren üblich, ständig irgendwelche Leute herumtreiben, welche sich gegenseitig "die beste Art, Musik zu hören", "die tollsten Spoiler an der Anlage", die "Punktelisten" verschiedener Zeitschriften und das ganze unnütze Voodoo- und Zubehörgeraffel unter die Nase reiben. Das Experiment, auf einen Musik- und einen OffTopic-Bereich zu verzichten, war im Nachhinein schlicht ein Glücksgriff unsererseits, zu welchem man mich übrigens auch erst einmal überreden musste. Stichwort: "Onkel Legos Leiernde Welt". (Für die "Nachgeborenen": Es war der Versuch, sich über musikalische Raritäten im weitesten Sinn auszutauschen.) Alle an AudioHQ Interessierten waren "gnädig" genug, uns dieses vermeintliche Defizit zu verzeihen, warum auch immer.

Die herrliche Ruhe, die in unserer immer noch experimentellen Autoren-Community vorherrscht, welche sich übrigens ganz bewusst einer Forensoftware und nicht eines Wikis bedient, führe ich u.a. auch darauf zurück, dass wir seit jeher im Einvernehmen auf die Themen verzichten, bei denen sich Subjektivisten und Objektivisten ständig in Zank, Neid und Missgunst in den Haaren liegen. Wir betreiben ein, hm, "Technikforum", und soweit es geht, achten wir auf Reproduzierbarkeit und verzichten auf Beiträge wie: "Aber ich höre es doch".
"Subjektivismus" gehört für mich aus Überzeugung ins Private, eine Zurschaustellung und der Zank über die selbstgefällige Show mancher Zeitgenossen sind dadurch vermeidbar, ausserdem enden sie ja doch nur in Administrations- oder Moderations-Orgien.

Wer daran Spass hat, dem sei's vergönnt, denn "der Trend", "dem der Zeitgeist in wachsendem Masse" aus den Ohren wächst, "geht immer stärker in die Richtung" den gesamten Bestand an sinnvollen Wortkombinationen und unsere Aufmerksamkeit so abzunutzen, dass man [Test] manchmal ganze Absätze schliessen könnte, weil wieder einmal ein "Event" geschaffen oder "Spannung" erzeugt wurde, ohne dass auch nur ansatzweise etwas Erklärendes entnehmbar war [/Test].

Täglich verpufft soviel ehrlich gemeinte Aufmerksamkeit an soviel Marketing-Schwachsinn, dass noch nicht einmal genügend Energien übrig bleiben, um andere Reize zu verarbeiten.

Dennoch

Ich gehe seit Jahren davon aus, dass das freigebig und kostenlos zur Verfügung gestellte Wissen schon irgendwie seinen Weg finden wird. Dies zu eben jenen Leuten, die Musik mögen, sie sammeln und, weil einer Leidenschaft folgend, genau dieses Gebotene in einer bewahrenden Grundhaltung zu schätzen wissen.

Dass dabei jeder seine pers. Art, Musik zu geniessen, längst entwickelt hat und nicht mehr darauf angewiesen ist, sie ständig anderen "offenbaren" zu müssen, oder auch nicht Willens ist, sich ständig wechselnde Zeitgeist-Diktate unter die Nase reiben zu lassen, davon bin ich bislang ausgegangen. Wenn dennoch jemandem danach ist, so findet er im WWW ein gigantisches Überangebot an Seiten, auf denen er dies tun kann. Warum sollte man an dieses unausgesprochene und uns den Arbeitsaufwand einer Diskussion ersparende Übereinkommen rühren?

Zytophag schrieb:

Hört man heutzutage noch Musik ohne irgendetwas anderes nebenher zu machen? Voll und ganz auf das konzentriert, was uns der oder die Künstler mit ihren Aufnahmen bieten? Oder wird sämtliches Material was wir in die Finger bekommen nur noch auf unseren Computern archiviert, für den entsprechenden Player konvertiert und für die passende Gelegenheit aussortiert?

... und selbst wenn: Solche Phasen haben hier sicherlich einige schon längst durch- oder überstanden, denn erfahrungsgemäss findet das Messie-Verhalten irgendwann sein natürliches Regulativ darin, dass der Zeitaufwand fürs ordentliche Archivieren wächst und dazu führt, dass man den fehlenden Nutzwert als so unangenehm empfindet, dass man es früher oder später einfach lässt. Meist folgen das grosse Aufräumen oder das "Weghören" in's "/dev/null". Ausserdem dürfte man etwas für's Leben dazugelernt haben, denn, wer zu raffen beginnt, dem fehlt unweigerlich die Zeit, all die "Schätzchen" zu hören und sich dessen gewahr zu werden, was er da eigentlich auf seiner HD (ver)sammelt.

Zytophag schrieb:

Ich meine, hier wird darüber diskutiert, wie man am besten seine CDs rippt, in welchem Format man das gerippte Material am besten archiviert und mit welchem (Software-) Playern man es am besten abgespielt. Wie und wo man die Musikaufnahmen dann aber hört wird nicht erwähnt - und genau dass fände ich interessant zu erfahren.

Genau, aber ich habe mir das eben immer so erklärt, dass dies ins Private fällt und sich nicht jeder darüber austauschen möchte, oder es bereits anderen Ortes tut, nur eben nicht hier. Warum auch austauschen, genau dieser Teil gehört m. E. schlichtweg in's "Reale Leben". Er ist dort ganz sicher auch besser aufgehoben, als hier im "®indernet". Im Privaten oder eben Realen Leben jedenfalls dürfte dieses Thema viel besser kommunizierbar sein, als es mit den auf's Nötigste reduzierten Möglichkeiten der Verschriftlichung im "User Generated Content" eines "Web x.x" der Fall ist, welches mit steigender Tendenz immer schneller aufsteigende Zahlen vor dem Punkt generiert, ohne dass diese Nummerierungen mit für alle klar assoziier- oder erfahrbaren Inhalten gefüllt werden. Ich weiß auch nicht recht, wo der Trend herkommt, dass solch ein Druck entsteht, alles Private in's Web verlagern müssen. Ich halte es für Quatsch, es macht mir Sorge, weil eine zunehmende Entfremdung stattfindet und man bei dieser Tätigkeit vor einem Gerät sitzt, um Verbindlichkeiten zu genügen, die kaum mehr kontrollierbar sind, und dies ohne einen Nutzwert für ein Leben, das auch hoffentlich noch vom Computer losgelöst einen Sinn ergeben darf. Ich jedenfalls geniesse die Zeiten, innerhalb derer ich mich öffentlich im Netz bewege, andererseits aber auch diejenigen, innerhalb derer ich nicht vor dem Computer hocke, weil ich mal wieder eine ->Neil Gaiman - Graphic Novel<-  weglese oder ohne Computerunterstützung Backgammon mit meinen Kumpels in der Überzeugung zocke, dass sich hier niemand für meinen Alltag, meine Beziehungen oder ähnlich Privates zu interessieren hat.

Zur Kernfrage des "passiv Konsumierens":

Es ist keine wirklich neue Entdeckung, dass man auch passiv konsumieren kann. Nebenbei dudelnde Radios, ob nun im privaten oder öffentlichen Bereich, gab es bereits vor unserer Zeit. Davor wiederum andere Formen ähnlich "beiläufiger Unterhaltung". Spontan fallen mir da Geiger in Restaurants , Leierkastenspieler in den Innenstädten, Kapellen in Bier- oder Walzer spielende Musikanten in den Weingärten Wiens oder Salzburgs in einer Zeit vor unserer Geburt [...] ;) ein. Ob man solchen Angeboten Aufmerksamkeit schenkt, bleibt jedem selbst überlassen.

Eine Zeitgeisterscheinung der letzten Jahre nervt mich allerdings etwas: Ständig wird in öffentlichen Foren daran herumgekrittelt, was ich denn so mache und womit ich meine Freizeit fülle. Dies auch in dem Bestreben, dass ich dem XYZ der Marketingagentur "abc" oder der Zeitschrift "Schmierfinken allesamt, aber modern" auch ja genügend Aufmerksamkeit widmen möge. Die immer zahlreicheren Medien (?) treiben, weil ihnen wohl ansonsten offensichtlich die Themen fehlen würden, wie schon erwähnt, immer abstruser erscheinende "Schweine" mit steigender Frequenz und immer neuen Anstrichen, auch "Trends" genannt, "immer stärker in eine Richtung", die mich inzwischen einfach nur noch empört und für eine recht nachhaltige Frustration sorgt. Was soll dieser Unfug, sucht Euch doch gefälligst einen "ehrlichen Job" und fallt mir nicht auch noch mit "User Generated Advertising" hinterlinks in den Rücken, wenn ihr mir auf der Suche nach einem Unterhaltungs-Gerät eure fingierten Testberichte und Linkfarmen präsentiert.

Davon abgesehen:

Dies alles würde ich eigentlich sogar begrüssen, wenn diese Kritik oder das Relativieren auch so konstruiert wären, dass man letztlich etwas in Werten messen könnte, wie z.B. in cm, Metern oder in Hinsicht einer Bewegung, die sie vermeintlich auslösen. Aber genau an diesem Punkt gibt sich der ganze Trend-Quatsch als hanebüchener Unsinn klar zu erkennen, denn die billig aufbereitete Form, wie auch die Herkunft können das ihnen zugrundeliegende Motiv der Schaulust nicht verleugnen: Diese Form der Kritik schielt nämlich, bevor sie Fahrt aufnimmt, doch eher in Richtung der Beliebigkeit oder der damit verbundenen Entfremdung, und dies dann mit den zu bewerbenden Produkten, der nächsten Ausgabe, einem Autor oder dem Image einer Zeitschrift.

Ob man darüber viele Worte verlieren möchte, bleibt ebenso jedem Einzelnen überlassen, wie die Art des Musikhörens oder der Art und Weise, wie man sie archiviert.

Gruss

Hier gehts zum Auditorium ...

4 bearbeitet von Zytophag (Original: 2007-06-23 15:40)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Lieber Lego,

mit meinem Beitrag beabsichtigte ich in keinster Weise hier irgendjemandem zu nahe zu treten und ihn dazu zu verleiten Informationen und Meinungen zu äußern, die er lieber nicht preisgeben möchte.
Auch gab ich lediglich eine Feststellung wieder, die alles andere als Abwertend oder Missbilligend sein sollte, schließlich steht es mir nicht zu, das Verhalten anderer Menschen im Hinblick auf ihren Musikkonsum zu bewerten. Ich wollte und will hier nicht die Keule schwingen und irgendeinen Werteverfall anprangern der, wenn überhaupt, nur subjektiv empfunden werden kann.
Ich beabsichtigte lediglich zu erfahren wie der einzelne seine Musik hört - so trivial das auch klingen mag.


...irgendwie zeigt Euch unsere Community grad die "kalte Schulter", weil ihr an einem Thema rührt, das sehr viele Leute die lange dabei sind längst "ins Private" verschoben haben, vielfach eine Folge von Verletzungen vor vielen Jahren. Nicht wenige von uns sind Asylanten oder Flüchtlinge, damals vertrieben ob ihrer Spleenigkeit und mit dem dauernden Nerv konfrontiert, "dass der Aufwand doch wohl nicht ernsthaft zu vertreten sei und ob er sich denn lohne", fast immer mit der Absicht verbunden uns vorzuführen.

Ich bin Mitglied dieser Plattform geworden, weil ich mich für Audio interessiere, und nicht weil ich irgendjemanden vorführen möchte. Und auch ich bin von Außenstehenden belächelt worden weil ich im Hinblick auf die Archivierung von Musik einen Aufwand betreibe, der ihnen nicht nachvollziehbar erscheint. Nichtsdestotrotz    stehe ich für eine Sache ein, die ich dann eben auch gelegentlich vertreten muss.


Werteverfall

Um einen "Werteverfall" ging es mir nicht!

"Trend"?
"Immer stärker in die Richtung ..."?

Auf welche Art hast Du Dich denn umgeschaut?

Als allererstes habe ich mir selbst an die Nase gefasst und festgestellt, dass ich dazu tendiere, alles was ich an Musik in die Finger bekomme auf meinem Computer zu archivieren. So kann ich auch mittlerweile schon fast auf "Entdeckungsreise" in meinem Archiv gehen und dort auf noch nie gehörte Tracks stoßen.
Beiträge in Form von "wie groß ist euer Musikarchiv?" etc. geben mir dann einen Einblick über den Umfang manch eines Archivs. Und dass hier wohl fast alle daran interessiert sind ihr Audio-Material in, (ihrer Hardware und deren Leistung entsprechend) bestmöglichster Qualität zu Archivieren, nehme ich einfach mal an.
Ergo gehe ich also davon aus, dass jene mit mehreren hundert oder gar tausend CD's in ihrem Archiv auch fast alles was sie in die Finger bekommen dort aufnehmen.

Mir war bisher nicht bewusst, dass darin etwas Verwerfliches zu finden sein könnte, man sich erklären müsste oder dass man zu einem Werteverfall beiträgt.

Und mir war nicht bewusst, dass man automatisch davon ausgehen kann, dass ich einen Werteverfall anprangere, wenn ich mir darüber Gedanken mache, wie andere Audio-Freunde mit einem großen Archiv umgehen, also wie sich ihr Hörverhalten mit der Größe der Sammlung verändert.


QUOTE ("Zytophag")
Ich frage mich daher, ob dies auch unser Hörverhalten dahingehend verändert, dass immer weniger "bewusst" Musik gehört wird, sondern Musikaufnahmen immer mehr als Soundtrack für unseren Alltag verwendet werden?


Für mich, "eine gewagte These auf wackeligem Stand".

Nun für dich mag es eine gewagte These auf wackeligem Stand sein, da du vermutlich auch schon etwas älter bist und deine Sammlung wohl nach und nach über die Jahre gewachsen ist. Wie ist es aber mit jenen die gerade mal ein paar Jahre in dem Alter sind wo sie sich für Musik interessieren - also die Generation der heute 12 - 20 Jährigen, die aber häufig schon eine Sammlung von mehreren tausend CD's haben, wenn auch vielleicht nur in der Form von - durch Tauschaktionen mit Freunden zusammengetragen Files? Wird von der heutigen Jugend also noch, ein Album von Anfang bis Ende gehört, weil demjenigen bewusst ist, dass der Künstler es so konzipiert hat, also dass gerade dies einen besonderen Reiz ausmacht. Oder wird das Album halt, als eines von vielen, auf den Computer gezogen, um dann nur die lieblings Tracks auf so vielen Medien wie möglich - also praktisch überall und wann immer man möchte - zu hören?
Es interessiert mich einfach - ohne es Bewerten zu wollen - wie der Einzelne in unserer schnelllebigen Welt, wo Zeit immer mehr zum kostbaren Gut wird, den Spagat zwischen Musik "erleben" und Musik "hören" meistert. Gibt es hier welche, die Musik nebenher hören, und sich dabei genauso darauf einlassen können, wie wenn sie nur der Musik lauschen würden? - Ich kann es nicht!

Zur Kernfrage des "passiv konsumierens":

Es ist keine wirklich neue Entdeckung, dass man auch passiv konsumieren kann. Nebenbei dudelnde Radios gabs es bereits vor unserer Zeit, davor andere Formen ähnlich beiläufiger "Unterhaltung", spontan fallen mir da Geiger in Restaurants ein, Leierkastenspieler in den Innenstädten, Kapellen in den Biergärten, Walzer spielende Musikanten in den Biergärten Wiens und Salzburgs in einer Zeit vor unserer Geburt [...] .

Natürlich ist es keine neue Entdeckung, dass man passiv Musik konsumieren kann. Es geht vielmehr darum, welche Qualität einem dann Musik noch bietet. Ich habe zum Beispiel sehr gerne die Musik in Restaurants, aber nicht weil ich die Musik selbst mag, die dort gespielt wird, sondern weil sie eine Atmosphäre erzeugt, die ich als angenehmer empfinde als ohne. Genauso tragen Straßenmusiker zu einem bestimmten Flair bei.
Was die nebenbei dudelnden Radios angeht, so gab es zwar vor unserer Zeit schon Radios, aber die Sender hatten (wie caliban bemerkte) sehr wohl ein Programm, welches dafür sorgte, dass man sich auch vor dem Radio versammelte um eine Sendung zu verfolgen. Natürlich blieb es dabei jedem überlassen ob er nur zuhören, oder noch etwas anderes nebenher machen wollte.

Fazit:
Es geht mir nicht darum auf andere mit dem Finger zu zeigen und zu bewerten wie sie mit Musik umgehen!
Es geht mir in erster Linie darum, dass ich für mich festgestellt habe, dass ich, seit dem ich alles was ich an CD's in die Finger bekomme auf meinem Computer archiviere, keine Zeit mehr finde die Musik die ich da archiviere in der Form zu hören wie ich es gerne möchte. Am liebsten lege ich mich nämlich aufs Bett, setze mir die Kopfhörer auf und höre das neu erworbene Album von Anfang bis Ende. Hierbei blättere ich dann entweder im Booklet und lese die Texte mit oder ich schließe die Augen und höre einfach nur zu.
Weil ich nun dafür aber leider immer seltener die Gelegenheit und die Zeit finde, läuft es in der Regel darauf hinaus, dass ich z.B. die neusten fünf CD's nach dem archivieren zu MP3's konvertiere und fürs Autoradio entweder auf CD Brenne oder gleich auf meinen portablen Player ziehe, den ich auch per USB direkt an mein Autoradio anschließen kann. Neue Alben von meinen lieblings Künstlern werden natürlich nach wie vor erst in Ruhe gehört.

So, und nun wollte ich einfach nur erfahren, ob es hier welche gibt denen es ähnlich geht wie mir, und was für Lösungen oder Kompromisse sie für sich gefunden haben!
Natürlich würde mich auch interessieren wem sich solche Fragen überhaupt gar nicht erst stellen - und warum.
Natürlich steht es jedem Frei, ob er sich zu einem solchen Thema äußert, oder nicht. Wer meint seine Privatsphäre durch einen Beitrag zu verletzen, soll halt darauf verzichten.

MfG
Zytophag

5

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

mit meinem Beitrag beabsichtigte ich in keinster Weise hier irgendjemandem zu nahe zu treten und ihn dazu zu verleiten Informationen und Meinungen zu äußern, die er lieber nicht preisgeben möchte.

Diesen Eindruck wollte ich Dir auch nicht zurückgeben.

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Ich beabsichtigte lediglich zu erfahren wie der einzelne seine Musik hört - so trivial das auch klingen mag.

Ich hab hier eine Anlage bestehend aus mehreren PC mit ner Soundkarte, mit nem Stax Lambda Sign. (Bj. 1989) dran stehen. CDP von Denon, Harman Kardon und Technics teilweise digital wie auch analog verkabelt. Eine Blaupunkt MX-70 Endstufe      (Bj 1986), DSP-Eigenbauten und Hochpegelgeräte-Umschalter rumstehen. In den Rechner finden sich ordentlich Audiokarten oder eben die übliche Soundblaster-Standardware. Selbstbauboxen vollenden das Ensemble. Wenn ich was hochwertiges für einen längeren Zeitraum brauche, so leihe ich es mir von Freunden, so wie ich grad mit Plattenspielern herumexperimentiere. Allerdings nicht weil diese Dinos so tol klingen, sondern weil ich eine alte (Prae-)Krautrock-, Jazz- und Bluesrock-Sammlung eines Freundes nach Interessantem sichte.

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Als allererstes habe ich mir selbst an die Nase gefasst und festgestellt, dass ich dazu tendiere, alles was ich an Musik in die Finger bekomme auf meinem Computer zu archivieren.

Erwähnte ich, daß wohl fast jeder diese Phase entweder selbst ober bei Freunden oder Bekannten einmal miterlebt hat.

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Beiträge in Form von "wie groß ist euer Musikarchiv?" etc. geben mir dann einen Einblick über den Umfang manch eines Archivs.

Beiträge der Form, "wieviele der Künstler kennt ihr wie gut" fand ich immer schon interessanter. ;-)

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Ergo gehe ich also davon aus, dass jene mit mehreren hundert oder gar tausend CD's in ihrem Archiv auch fast alles was sie in die Finger bekommen dort aufnehmen.

Hmmm ich hab nur etwa 2/3 auf meinem Rechner, in letzter Zeit füllen sich meine HDs eher mit den Mitschnitten aus dem Linux-VDR, Beatclubs und Musikladen usw. Vieles davon kaufe ich mir dann auch noch mal bei Gefallen auf Anthologien oder DVD-Boxen.     

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Mir war bisher nicht bewusst, dass darin etwas Verwerfliches zu finden sein könnte, man sich erklären müsste oder dass man zu einem Werteverfall beiträgt.

Vielleicht bin ich da mitllerweile einfach etwas empfindlich geworden und habe ungerechtfertigerweise meine teilweise schlechten Erfahrungen aus Analog-, HiFi- und Musikforen projiziert und einen unpassenden Ton angeschlagen. Täte mir leid, wenn es so rübergekommen ist.

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Nun für dich mag es eine gewagte These auf wackeligem Stand sein, da du vermutlich auch schon etwas älter bist und deine Sammlung wohl nach und nach über die Jahre gewachsen ist.

Jaja, das Alter.
Aber dass große Sammlungen jemanden überfordern könnten, auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommen. Dass LAN- und Downloadmessies nicht mehr dazu kommen ihren Kram auch mal wegzuhören, davon hab ich schon öfters was mitbekommen. 

Zytophag,23.06.2007, 16:40 schrieb:

Es geht mir in erster Linie darum, dass ich für mich festgestellt habe, dass ich, seit dem ich alles was ich an CD's in die Finger bekomme auf meinem Computer archiviere, keine Zeit mehr finde die Musik die ich da archiviere in der Form zu hören wie ich es gerne möchte. Am liebsten lege ich mich nämlich aufs Bett, setze mir die Kopfhörer auf und höre das neu erworbene Album von Anfang bis Ende. Hierbei blättere ich dann entweder im Booklet und lese die Texte mit oder ich schließe die Augen und höre einfach nur zu.

Weil ich nun dafür aber leider immer seltener die Gelegenheit und die Zeit finde, läuft es in der Regel darauf hinaus, dass ich z.B. die neusten fünf CD's nach dem archivieren zu MP3's konvertiere und fürs Autoradio entweder auf CD Brenne oder gleich auf meinen portablen Player ziehe, den ich auch per USB direkt an mein Autoradio anschließen kann. Neue Alben von meinen lieblings Künstlern werden natürlich nach wie vor erst in Ruhe gehört.

So, und nun wollte ich einfach nur erfahren, ob es hier welche gibt denen es ähnlich geht wie mir, und was für Lösungen oder Kompromisse sie für sich gefunden haben!
Natürlich würde mich auch interessieren wem sich solche Fragen überhaupt gar nicht erst stellen - und warum.

Mir fehlt es auch häufiger an Zeit, deshalb hab ich mir auch ein Porti mit 'nem ordentlich Kopfhörer gekauft und höre jetzt wieder mehr unterwegs in Bahn und Bus und bei Spaziergängen und Erledigungen.

Gruss

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6

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Lego,23.06.2007, 19:27 schrieb:

Vielleicht bin ich da mitllerweile einfach etwas empfindlich geworden und habe ungerechtfertigerweise meine teilweise schlechten Erfahrungen aus Analog-, HiFi- und Musikforen projiziert und einen unpassenden Ton angeschlagen. Täte mir leid, wenn es so rübergekommen ist.

Nun, dass du einen unpassenden Ton angeschlagen hättest würde ich jetzt nicht gerade behaupten, aber ich hatte schon das Gefühl einen sehr empfindlichen Nerv getroffen zu haben, der dich in einer Art reagieren ließ, auf die ich nicht gefasst war.
Aber wie auch immer, ich denke die Missverständnisse sind damit aus der Welt geschafft... - wobei, eigentlich könnten wir doch nun auch mal direkt über den Werteverfall diskutieren ;)

Gruß
Zytophag

7 bearbeitet von Lego (Original: 2007-06-23 21:49)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Tut mir leid, da muss ich grad mal eben passen, ich habe einem österreichischem Kollegen versprochen, daß ich ihm bei einem "Werteverfall" völlig anderer Art behilflich bin.

Ich gehe aber mal davon, aus, daß sich hier sicher noch andere Mitleser zu Wort melden werden.

Gruss

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8 bearbeitet von enkidu (Original: 2007-06-24 02:11)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

@Zytophag, auch wenn ich mich zu dieser vorgerückten Stunde nicht mehr auf eine Antwort einlassen möchte, komme ich doch nicht umhin, Deine Beobachtung zu bestätigen. Wobei Du in Deiner Anmoderation eigentlich mehrere Themen anreist.

Da wäre zum einen die Sammelleidenschaft. Dabei ist der Datenträger nicht unbedingt ausschlaggebend, d.h. ob man nun CDs oder MP3s sammelt. Mein Eindruck ist, dass zumindest diejenigen, die sich hier in audiohq oder auch im  Klassik-Teil von hifi-forum tummeln, eine Vorliebe haben bzw. eine Neigung tendentiell offenbaren, möglichst viele Stücke zu besitzen. Bei Forenbesuchern scheint sich diese Tendenz noch zu verstärken, da man sich gegenseitig inspiriert, zusätzlich auch noch diese oder jene Aufnahme zu besitzen, obwohl man doch schon eine gute gefunden hat. Das Lagern auf Festplatte ist dabei nur eine Erleichterung, diesen Trieb auszuleben. Gab es eine solche Tendenz schon in der LP-Ära? Ich kann mich nicht erinnern. Da hatte ich den Eindruck, man konzentrierte die Sammlung auf einige für einen persönlich wesentliche Werke.

Angesichts der Masse der verfügbaren Aufnahmen stellt sich natürlich auch die Frage, ob man sich im Gegensatz zu früher auch heute noch genauso intensiv mit einzelnen Aufnahmen auseinandersetzt, und somit mit deren Feinheiten im Detail vertraut ist. Oder ist es nicht eher so, dass man statt einiges wenige gut heute zwar mehr aber meist dafür nur halb kennt? Geht die Quantität der verfügbaren Aufnahmen zu Lasten der Qualität des Hörens? Und damit meine ich wie Du nicht den technischen Teil des Hörens, sondern der Intensität der bewussten Auseinandersetzung mit den Aufnahmen.

Dass sich dieses Forum besonders der technischen Qualität der Speicherung von Musik widmet, begründet sich nicht nur daraus, dass man sich dies zum Anliegen erkoren hat, sondern auch, dass man sich aus guten Gründen auch im wesentlichen auf dieses Anliegen zu konzentrieren zu versucht. Das hifi-forum z.B. ist weitaus umfangreicher, widmet sich aber nur bedingt in der gleichen Intensität und Disziplin den hier gestellten Themen. Dennoch habe ich auch im hifi-forum und selbt im technisch weniger dominierten Klassikteil dort den Eindruck, dass die Qualität des Wiedergabematerials doch wichtiger genommen wird als die inhaltliche Qualität einer Aufnahme oder Komposition. Es scheint, dass wir die technische Qualität einer Aufnahme besser beurteilen können, aber kaum die Leistung der Interpreten oder die Besonderheiten eines Werkes. Wir reden sozusagen nicht mehr über die Musik an sich, sondern nur noch über die Qualität des Datenträgers als Wiedergabeformat.

Eine Erklärung mag sein, dass wir uns eben in punkto Technik auskennen, da wir uns hierbei ja nur auf unser Hörvermögen verlassen zu brauchen. Eine intensive Auseinandersetzung mit Interpretationen und Kompositionen würde jedoch zumindest im Bereich der klassischen Musik zusätzlich Kenntnis der Partitur und die Fähigkeit zu deren Analyse sowie Kenntnisse der Wiedergabe von Musik (Singen, Spielen eines Musikinstruments) erfordern, was bei vielen nicht der Fall zu sein scheint, auch bei mir nicht. Insofern scheint es wichtiger zu sein, welche Technik zum Einsatz kommt als z.B. welches Instrument der Musiker benutzt und welche Spieltechnik er nutzt. Man darf also Fragen, ob die Technikdiskussion nicht am eigentlichen Thema, nämlich der Musik, vorbei zielt.

Ein weiterer Aspekt ist die Art wie und wann wir Musik hören, wobei sich auch hier wieder die Frage nach der Intensität und Konzentration stellt.

Ohne jetzt auf die eigentliche Frage antworten zu wollen, möchte ich jedoch einen Werteverfall als alleinige Ursache für unser heutiges Hörverhalten verneinen. Ein mangelnder urheberrechtlicher Respekt ist eher zu verneinen. Mir scheint vielmehr, dass den meisten eigene theoretische wie praktische Musikkenntnisse fehlen, um so eine Komposition als auch eine Interpretation beurteilen zu können. So beschränken sich Diskussionen immer wieder darauf, ob einen die Aufnahme angesprochen hat, also auf die Intensität des persönlich wahrgenommen Hörerlebnis. Ob sich aber der Interpret strikt an die Partitur gehalten hat und wo nicht, vermögen viele dann schon nicht mehr zu sagen.

Sicherlich gibt es aber auch eine psychologische Erklärung für die starke Sammelleidenschaft und intensive Pflege unserer Schätzchen. Ist das nur der alte steinzeitliche Jäger- und Sammlertrieb, der sich hier austobt, oder aber handelt es sich um Ersatzhandlungen? Kenne mich in dem Feld nicht aus, weshalb ich mich hierzu auch nicht weiter auslassen möchte.

Deine Anmoderation wirft also viele Fragen auf, nicht nur die eine, die Du dann gestellt hast. Doch für heute soll's das gewesen sein

9 bearbeitet von Zytophag (Original: 2007-06-24 14:04)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

...bevor ich mich getraut habe dieses Thema hier zu eröffnen, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob die Frage nach dem Umgang mit der Musik - also was damit geschieht wenn wir all die technischen Stadien durchlaufen haben - überhaupt hierher gehört? Die Antwort war: irgendwie schon, zumindest in das Unterforum "Gesellschaftliche Aspekte"!
Selbstverständlich geht es hier zu 99% um die technischen Fragen im Audio-Bereich, und dies in einer äußerst disziplinierten Form. Und gerade dies macht AudioHQ für mich zum wertvollsten Forum das ich kenne (danke Frank)!
Aber es gibt hier eben auch ein Unterforum, welches sich mit den gesellschaftlichen Aspekten unseres Hobbys auseinandersetzt und genau zu solch einer Auseinandersetzung gehören auch die Fragen die mein Beitrag anschneidet - und eben auch aufwirft...

10 bearbeitet von Lego (Original: 2007-06-24 22:08)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Falls es der Diskussion um "Werteverfall" irgendwie weiterhilft, hier einige weitere Aufhänger:
*  Auf unserer Seite zur "Archivierung und Audiokompression" tummeln sich haufenweise Mitglieder und Gäste, die durch den Einsatz von Arbeit und zusätzlicher Sicherstellungen (Backups) den materiellen Wert bereits erworbenen und gesammelten Werte noch erhöhen indem sie dem Verlust durch Kopie für eine eigene Zwecke vorbeugen, obwohl ein Datenträger (die Original-CD, Eigenaufnahme oder sonst. Quelle) bereits vorhanden ist.
*  Auch ist es sicherlich positiv, wenn zusätzlich noch gemeinfreie Werke (Stichwort: Netlabel, CreativeCommon und Live-Archive) in privaten Archiven vor dem "Vergessen" durch Aufbewahrung bewahrt werden, möglichst natürlich in bestmöglicher unveränderter Qualität und am besten so daß man sie auch wiederfindet

Hier gehts zum Auditorium ...

11 bearbeitet von DAU (Original: 2007-06-27 01:57)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Just my 2 cents:

Einleitung

Das ist schon ein recht vielschichtiges Thema, welches da angeschnitten wurde. Lego weitete es ein wenig in Richtung der sogenannten Werte-Diskussion aus, Enkidu in eine andere. Bei der Werte-Geschichte möchte ich beginnen, werde aber auch zum Schluss kurz auf die ursprüngliche Fragestellung und Enkidus Beitrag zurückkommen. Den Anfang mache ich ganz subjektiv an einer recht speziellen Nutzergruppe fest, nämlich der des DJs, insbesondere der des Radio-DJs. Warum? Ich hoffe, das wird sich zeigen. (Und, ja: Daniel Miller versucht sich manchmal, z.B. hier, auch auf diesem Gebiet. ;) )

Zu Beginn ein Zitat eines vor einigen Jahren verstorbenen Radio-DJs aus England:

"Ich fühle mich manchmal schuldig, weil ich der vielen Musik nicht gerecht werden kann. Das ist heute schwieriger als in den frühen Siebzigern. Da wusste man schon im Frühling, dass im November die neue Led Zeppelin herauskommt. Bis es so weit war, konnte man eben nur alte Sachen spielen. Seither haben sich die Dinge immer weiter beschleunigt, bis zum heutigen Tag."

Dieser Satz stammt aus einem hier nachlesbaren Artikel, der von einem Mann handelt, bei dem man nun wirklich von einem sammelwütigen Musikenthusiasten sprechen konnte, welcher für seinen nonkonformistischen Musikgeschmack bekannt oder auch berüchtigt war. Seine Sendungen begann er meistens mit den schlichten Worten: "Hello, my name is John Peel - and this is some of my music." Überliefert werden aber auch andere, wie z.B. diese Begrüssung österreichischer Zuhörer: "hello my fellow little austrians. my name is john peel and i am going to speak in english. this is not some sort of british collonialism attitude, it's just that my german only exists of 'zwei bier bitte', which after a while would be a bit boring for you and make me very drunk." ;)

Nachfolgend noch ein Satz aus dem eingangs erwähnten Artikel:

"Ich finde, der iPod wirkt sich zu sehr gegen neue Musik aus. Die Leute laden ihre Favoriten drauf und hören nur noch die."

Im Spannungsfeld dieser beiden Zitate möchte ich einige Überlegungen ansiedeln.

Technologie als Hemmschuh?

Es wurde von Zytophag bereits angesprochen: Die Sammlungen mancher Leute füllen so einige Festplatten und diese wiederum wahrscheinlich bei manch einem diverse Schubladen oder Schrankfächer, da der technologische Fortschritt dies zulässt. Je nachdem, wie diese Sammlungen entstanden sind, weiss derjenige mehr oder weniger über den Inhalt seines Bestandes Bescheid. Dementsprechend wird er, je nach Tagesform, Laune sowie etwaiger Wetterfühligkeit, andererseits aber auch je nach musikalischem Wissen oder individueller Neugier, die Playlist seines Soft- oder Hardware-Players aus dem Fundus befüllen. Damit wäre ich auch schon bei dem Punkt angelangt, auf den John Peel mit dem letztgenannten Zitat hinwies: Seiner Meinung nach würde die neue Technologie dazu führen, dass man sich nur mit Altbekanntem auseinandersetzt.

Ich denke: Das kann so sein, muss es aber nicht. Vielmehr meine ich, dass es schlicht und ergreifend von der Offenheit des Hörers abhängt, wie er seine Playlist gestaltet. Sprich: Nicht die Technologie ist das Problem, sondern das Angebot an mehr oder minder anregenden Inhalten. Weitergehend bedarf es also z.B. der Arbeit eines DJs wie ihm, damit musikalische Anregungen ihren Weg zum Konsumenten finden. Diese Arbeit kann dann eben auch mit Hilfe neuer Technologien bewerkstelligt werden.

Warum ich das gerade so geschrieben habe? Nun, Lego wies u.a. auf Netlabels, Internetarchive o.ä. hin, die Dank der heutigen technischen Möglichkeiten Angebote bereitstellen, deren Inhalte man der "Verewigung" auf der eigenen Festplatte als würdig erachten mag oder halt nicht. Ich würde dies mit Hinweisen auf die Arbeit von Enthusiasten wie z.B. The Perfumed Garden, Graham Steel, Lutz Schramm oder Brotbeutel im Hinblick darauf ergänzen wollen, dass es auch diverse Privatpersonen gibt, die auf ihrem Spezialgebiet ebenfalls unentgeltlich dazu beitragen, Dinge vor dem Vergessen zu bewahren. (Ich habe diese Links vor allem deshalb gewählt, weil sie mehr oder weniger direkt mit der ehemaligen Arbeit von John Peel zu tun haben.)
Davon abgesehen würde ich auch die Angebote mancher auf bestimmte Spezialgebiete fokussierten Internet-Radios bzw. der jeweils Verantwortlichen dazu zählen, wie beispielsweise Coldcut's "Solid Steel Radio Show", "Beats in Space", Simon Harrison's Basic Soul oder DJ Morpheus mit seiner Sendung "Lysergic Factory" auf Radio Campus - Brussels, die ebenfalls ihren Beitrag leisten oder geleistet haben. (Aus aktuellem Anlass sei da an dieser Stelle übrigens auf den "Tag der Stille" hingewiesen.)
Dabei sollte man dann auch nicht vergessen, dass Sendungen von John Peel oder vom "Ocean Club", um ein anderes Beispiel zu nennen, entweder als Live-Stream oder als herunterladbare Datei zum nachträglichen Anhören zur Verfügung gestellt wurden oder werden, was ebenfalls für die Benutzung neuer Technologien sprechen dürfte. (Die Verwendung mancher Codecs wirft da allerdings auch weitergehende Fragen im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit auf, soll aber erst einmal den Sachverhalt als solchen nicht grundsätzlich in Frage stellen.)

Die empfindliche Stelle

Dass jedes Online-Angebot aber auch eine Achillesferse besitzt, mag dieses Zitat aus einem De:Bug-Interview mit Daniel Miller, seines Zeichens Chef von Mute Records, verdeutlichen:

Daniel Miller: [...] Downloads sind praktisch und ich kann verstehen, warum viele Menschen lieber Musik laden, als sich die Tonträger zu kaufen. Aber als Label muss man sich im Klaren darüber sein, dass man jegliche Kontrolle über seine Musik aufgibt.

Sprechen Sie vom Ende des Albums?

Daniel Miller: Nein, vom Ende des Tonträgers. Wenn alles online ist, wird nichts mehr gepresst. Wenn sich dann der Anbieter überlegt, dass er doch lieber ein Fußball-Team kaufen will, und den Server abstellt ... dann haben die Labels nichts mehr. Rein gar nichts. [...]

Genau das meinte ja Lego wohl, als er auf den Punkt hinwies, dass man in dieser Hinsicht die Tätigkeit von Leuten nicht zu gering schätzen sollte, die sich die Mühe machen, manche der Online-Angebote auf ihrer Festplatte zu "verewigen", denn man kann m.E. Millers Aussage sehr wohl auch auf seine oder meine Beispiele übertragen. In abgewandelter Form könnte man auch formulieren: "... dann haben die Musikliebhaber nichts mehr. Rein gar nichts." Es sei denn, ein guter Freund besitzt ausgerechnet diese oder jene Rarität noch auf der Festplatte, bzw. als Backup.

Das folgende Beispiel mag dies noch einmal unterstreichen: Die Falter - Taumelflug EP auf Thinner z.B. stand eines Tages nicht mehr zur Verfügung. Sie war zwar noch gelistet, aber das war's auch. Ich hatte irgendwann versäumt, vor der Neuformatierung meiner Festplatte ein Backup des entsprechenden Download-Ordners zu machen, was ich aber nicht all zu schlimm fand, da mir ein Freund einige Tage zuvor eine DVD mit allen für uns relevanten Veröffentlichungen gebrannt hatte. Dass er dies jedoch, wie sich dann nachträglich herausstellte, mit einer zu hohen Schreibgeschwindigkeit getan hatte und kurze Zeit später auch noch seinen Rechner neu aufsetzte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Den Rest kann man sich denken: Murphy zwinkerte uns beiden zu. Nur Dank eines Re-Releases auf dem Label konnte ich mir die Musik dann doch noch einmal besorgen.

Das Beschleunigungsphänomen

Doch zurück zum Thema. Ich meine, dass gerade auch wegen der angesprochenen Punkte neue Technologien dazu beitragen können, dass kulturhistorische Werte oder, um bei meinem Beispiel zu bleiben, die musikalischen Anregungen manch renommierter DJs weiterhin zugänglich sind und letztlich zumindestens nicht auf der eigenen Festplatte verlorengehen müssen, wenn gewisse Spielregeln beachtet werden. Andererseits tragen die technologischen Möglichkeiten natürlich zu dem Phänomen bei, das John Peel in dem Eingangszitat ansprach, indem er auf die von ihm als Belastung empfundene Beschleunigung des Informationszuganges zu neuer Musik hinwies.

Wie bereits angedeutet war er im Hinblick auf seine Sammelleidenschaft, ganz abgesehen von seinem Musikhorizont, das, was man im heutigen "Neudeutsch" wohl als Freak, Nerd oder Geek im positivsten Sinn bezeichnen würde. Im bewussten Artikel äusserte er sich dann auch noch einmal zu diesem Schwerpunkt etwas eingehender:

Da ich ein ziemlich obsessiver Typ bin, ist es wohl besser, wenn ich dem Internet fern bleibe. Am meisten Angst hätte ich davor, mich bei eBay auf das Ersteigern von Platten einzulassen. Da würde ich sehr schnell Bankrott gehen.

Wohlgemerkt, sein Hauptaugenmerk legte er hier auf die Ersteigerung von LPs. Das Thema des Erwerbs von Musik auf Internetportalen oder andere Möglichkeiten hatte er ja noch nicht einmal erwähnt, wenn auch evtl. im Hinterkopf mitbedacht. Wie man dem erwähnten Artikel entnehmen kann, besass er wie andere professionell arbeitende DJs das Privileg, Musik vom Morgen bis zum Abend hören zu können oder, je nach Tagesform, auch hören zu müssen. Doch selbst ihm als überdurchschnittlich Interessiertem gelang es in seinen letzten Lebensjahren nur noch bedingt, der Informationsfülle gerecht zu werden. Ich wiederhole noch einmal den letzten Satz des ersten Zitats weiter oben:

Seither haben sich die Dinge immer weiter beschleunigt, bis zum heutigen Tag.

Spezialisierung als Möglichkeit

Wie geht man nun mit diesem Sachverhalt um? Soll man resignierend über einen sogenannten Werteverfall sinnieren, was ja m.E. erst einmal eher der Ausdruck einer sich manifestierenden Verunsicherung oder eines gewissen Ohnmachtsgefühls ob der überbordenden Informationsfülle sein dürfte?

Ich meine: Nein. Eher bringt diese Entwicklung doch mit sich, dass in Zukunft die Spezialisierungen bei Amateuren oder Profis weiterhin zunehmen werden. In Bezug auf den Dance-Sektor beispielsweise ist dies ja schon seit geraumer Zeit der Fall.
Es gibt House-, Drum'n'Bass-, Techno-, Rare Groove-, Reggae- oder Was-Weiss-Ich-Für-DJs, die auch über ein entsprechend spezialisiertes Publikum verfügen, und selbst diese folgen so einigen vorhergehenden Generationen. (Als m.E. bis heute herausragendes Beispiel sei da u.a. David Mancuso (siehe auch: diesen De:Bug-Artikel) erwähnt, obwohl er sich nie als DJ bezeichnet hat.)
Die Zeit der Generalisten scheint wohl endgültig der Vergangenheit anzugehören, was nicht bedeutet, dass es heute keine Leute mehr gibt, die in einem gewissen Umfang so manchen Brückenschlag wagen könnten. Ganz spontan würden mir da im Kontext z.B. im internationalen Bereich Gilles Peterson oder, da ich aus dem Berliner Raum stamme, im lokalen Bereich Holger Luckas oder Peter Rixen einfallen. Entsprechende Namen dürfte wohl gerade in lokaler Hinsicht so mancher für sich festmachen können, der auf den Input von Radio-DJs seines Vertrauens, ob nun per UKW oder Internet, Wert legt.

Der Bezug auf die Gruppe der DJs sollte einfach nur als Beispiel dienen, da sie m.E. oftmals eher mit bestimmten Fragestellungen konfrontiert wird, als dies beim sogenannten Normalanwender der Fall sein dürfte. Auf Sammler oder eben Spezialisten, die hier offensichtlich einen nicht geringen Anteil des Publikumsverkehrs ausmachen, dürfte es sich wohl in Bezug auf die Spezialisierung aber auch übertragen lassen. Zusammenfassend meine ich, dass man bei aller berechtigten Kritik die Vorteile einer vermehrten Zugangsmöglichkeit zur jeweils bevorzugten Musik nicht aus dem Auge verlieren sollte, was sich ja dann auch mit Legos hier geäusserten Überlegungen z.T. decken dürfte.

Meine Hörgewohnheiten

Nun noch etwas zur ursprünglichen Fragestellung: Ich höre je nach Tagesform und je nach Situation Musik mehr oder weniger bewusst, aber andererseits dann doch bewusster als beispielsweise meine Freundin, die sich immer wundert, wenn ich sie auf irgendein Detail des gerade laufenden Titels hinweise. Wenn ich mir eine neue CD gekauft habe, setze ich mich meistens doch erst einmal vor die Stereo-Anlage, blättere wie Zytophag im Booklet, und höre mir an, "was der Künstler damit sagen wollte."
Da ich wenig Klassik oder sogenannten Klassischen Jazz höre, muss ich es mit der Aufmerksamkeit aber auch nicht all zu sehr übertreiben, wobei das von Enkidu weiter oben Gesagte hier zumindestens in Bezug auf Live-Aufnahmen manchmal mehr oder weniger eine Rolle spielt, da ich wenigstens diese mit einer Studio-Aufnahme, je nachdem, vergleichen kann.
Bei Cover-Versionen, sofern ich sie zuordnen kann, höre ich generell genauestens hin, was halt ein Spleen von mir ist.

Der Rechner dient bei mir, u.a., eher dem Zweck der Archivierung, was aber nicht heissen soll, dass er beim Musikhören keine Rolle spielt. Letztlich würde ich hinsichtlich der Bewertung meines Hörverhaltens am PC in die Richtung tendieren, dass da vor allem ein Soundtrack zum Arbeiten läuft. Aber wenn ich mich recht erinnere, war das früher mit dem Plattenspieler oder dem Tape-Deck und der Arbeit am Schreibtisch auch nicht anders. Ich musste nur des öfteren den Arbeitsplatz verlassen, um die LP oder die Cassette umzudrehen, weshalb ich damals schlank wie eine Gerte war. ;)

Daher abschliessend noch einmal ein Begrüssungssatz von Mr. Peel: "Hello there, my name is John Peel. I'm 64, fat and English. Sounds terrible, doesn't it? But the music's gonna be ok!" B)

Gruss

12 bearbeitet von Frank Bicking (Original: 2007-06-28 16:45)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Erst einmal Frage ich mich, was mit "bewusst" Musik hören gemeint ist. Heißt das, dass man nichts anderes gleichzeitig tut und sich nur auf die Musik konzentriert?
Also das mache ich relativ häufig und gerne (besonders bei neuen Alben). Jedoch fängt man bei manchen liedern ja auch schnell an, an andere Sachen (z.b vom Text oder Stimmung der Musik beeinflusst) zu denken, hört man dann nicht mehr bewusst?
Oder seht ihr das eher wie bei einer Gedichtinterpretation und ihr analysiert alle Lieder die ihr hört (Instrumente, Melodie, was weiß ich). Das klingt für mich dann aber eher nach Arbeit als Genuss (und erinnert mich sehr an Musikunterricht in der Schule).

Als zweites Frage ich mich dann, was daran besser ist, als die Musik "nur" nebenbei zu hören und als "Stimmungsverstärkung" zu benutzen. Wird die Musik nicht mehr geschätzt, wenn man nicht genau weiß, wann welches Instrument welchen Ton spielt? Ich glaube nicht, dass die Interpreten beabsichtigen, dass ich als Schlagzeuger genau darauf achte, was denn das für ein groove ist und dabei total die Stimmung verliere die der Song eigentlich bewirkt.

Ich selbst höre sehr viel Musik (also fast den ganzen Tag). Mal mehr auf sie konzentriert und mal weniger. Manchmal habe ich aber auch das Gefühl, das ich sie "intensiver" höre wenn ich dabei etwas tue (wie diesen Text verfassen z.B.) als wenn ich nichts anderes tue (wie beim Zug fahren). Ein Mensch ist nämlich schon in der Lage mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Außerdem, sollte ich eurer Meinung nach lieber nur dann Musik hören, wenn ich mich voll und ganz auf sie konzentriere? Ich glaube das wäre ein ziemlich trauriges Leben für mich (und ich würde wahrscheinlich noch müder werden, als ich das eh immer bin).


Zum Thema große Archive:
Ich habe mittlerweile fast 5000 tracks auf meinem Computer, was für einen 18-Jährigen ja schon relativ viel ist. Ja, wenn ich mir die alle selber gekauft hätte, müsste ich auf der Sraße leben, bei den CD/LP-Preisen. Ich sehe das so: Ich habe nur eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung und gebe so viel ich kann für Musik aus (besonders auch für Konzerte, bei denen man die Musik ja sehr aktiv und bewusst genießt). Wem schadet das also, wenn ich zusätzlich Alben besitze, die ich nicht bezahlt habe, da ich kein Geld dafür habe? Ich würde natürlich auch viel lieber alle Alben original am besten als Vinyl im Regal stehen haben, aber bei den Preisen geht das nun mal nicht.
So, höre ich jetzt durch meine große Anzahl an Stücken weniger aktiv? Ich würde sagen im Gegenteil. Durch die gute Software und durch die viele Verwendung, bekommt man ja eine Routine bei der Archivierung, das schadet also schon mal nicht. Bei Musik, die ich neu habe, höre ich immer besonders genau zu (allein mein Bewertungssystem "zwingt" mich sozusagen dazu. Außerdem habe ich keinen einzigen Track in meinem Archiv den ich noch nicht gehört habe.
Durch die große Auswahl kann ich außerdenm immer genau das auswählen, was grade zur Stimmung passt und wozu ich Lust habe. Und wenn ich mir dann schon soviel mühe bei der Zusammenstellung der Playlist oder der Auswahl des Albums gegeben habe, höre ich automatisch mehr zu.
Manchmal merke ich natürlich auch, das ich grade 10 lieder gehört habe ohne es wirklich mitzubekommen, aber was daran schlimm sein soll, weiß ich auch nicht.

Ich merke jedoch immer wieder, dass jeder Mensch sehr unterschiedlich Musik "konsumiert". Manchen gefällt es zum Beispiel einen Track (bewusst) zehn mal nacheinander zu hören, und ich mag es meistens schon nicht ein Lied zweimal an einem Tag zu hören. Mir fällt aber schon auf, dass Menschen die sich viel mit Musik beschäftigen (neue Musik suchen, sich mit der Qualität beschäftigen, selber Musik machen usw.) logischerweise auch "bewusster" Musik hören, als die, die sie nur nebenbei beim Essen hören.

13 bearbeitet von Zytophag (Original: 2007-06-28 22:18)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Hallo Birk,

(Phrasen) Redeweisen wie "bewusst Musik hören" etc. interpretiert natürlich jeder auf seine eigene Weise, und zieht dementsprechend subjektive Grenzen. Aus diesem Grund kann ich jetzt natürlich auch nur für mich sprechen:

Bewusstes Musikhören beginnt für mich etwa ab jenem Punkt, wo man wahrnimmt, was genau man hört. Am besten erkläre ich es mit folgender Situations-Beschreibung: Ich bin gerade mir irgendetwas beschäftigt, voll und ganz auf das konzentriert, was ich tue. Nebenbei dudelt mein Radio und ich nehme die Musik im Grunde nur als entfernte Geräuschkulisse war (also quasi konsumiere ich unbewusst Musik, damit ich mich nicht alleine fühle etc.). Doch plötzlich wendet sich meine Aufmerksamkeit dem Radio zu. Ich stelle fest, das gerade ein Lied läuft, welches ich noch nie gehört habe, das jedoch etwas hat, was mir gefällt. Nun ist das, was vorher meine volle Aufmerksamkeit genossen hat zur Nebensache geworden und ich lausche "bewusst" auf den neuen Song (ich versuche den Text zu verstehen und mir die Melodie einzuprägen etc.)
Es ist also der Punkt, wo mehr als 50% meiner Aufmerksamkeit auf die Musik gerichtet sind.

Eine Analyse der Musik wie im Musikunterricht der Schule ist für mich natürlich auch eine Form des bewussten Musikhörens. Es sind eben nur andere Schwerpunkte die dabei in den Vordergrund treten. Und wenn man eine solche Analyse auf das beschränkt, was einem wichtig ist, so ist das bestimmt keine unangenehme Last. Ich denke hierbei an jemand, der selber ein Instrument spielt, und den Part seines Instrumentes im Verlauf eines Tracks genauer verfolgt etc...
Jedoch muss ich noch anmerken, dass ich in meiner Eröffnung nicht an eine Analyse in diesem Sinne gedacht habe, noch daran eine Bewertung anzustellen bezüglich der Unterschiede zwischen bewusstem und unbewusstem Konsum.
Für mich gibt es kein besser oder schlechter wenn es darum geht ob man die Musik nun nur nebenbei (der Stimmung wegen) oder konzentriert und bewusst konsumiert - beides hat aber seine Vor- und Nachteile!
In diesem Sinne: Du sollst deine Musik so hören, wie du es am liebsten möchtest!
Was ich möchte ist, dass man sich das Thema und sich selbst (bzw. sein Verhalten) betrachtet. Wenn man dabei feststellt, dass man (für sich selbst) unbewusstes und bewusstes Musikhören unterscheiden kann, dann kann man gerne schreiben welche subjektiven Grenzen man zieht und warum; und wenn man dann auch noch eine Ableitung in Bezug von Größe des Musikarchivs zu Hörverhalten bilden kann, so wäre das echt klasse - nur darum ging es mir, und du hast ja doch eine Menge diesbezüglich geschrieben!
Also immer weiter so :)

Gruß Zytophag

14 bearbeitet von Lego (Original: 2007-06-28 22:43)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

Zytophag,28.06.2007, 23:18 schrieb:

Hallo Birk,

Phrasen wie [...]

/Lego
das Wort "Phrasen" ist stark negativ besetzt, wenn möglich bitte zukünftig Alternativen zu diesem Wort  benutzen. 

Zur Verfügung stehen:
Floskeln
Binsenwahrheiten
Allgemeinplätze
Übertreibungen
Trends
dikussionswürdige Zusammenfassungen

Danke.  B)
Gruss

[OnTopic:]

Hallo

"Bewusstes Musikhören" ist ein herrliches Stichwort.

Ich erkläre hiermit, daß ich mich schon mit meiner Pubertät (unbemerkt von der Öffentlichkeit) frei von "bewusstem Musikhören" gemacht habe und es (nur so am Rande erwähnt) gut fand und es heute noch gut finde. Insbesondere den Aspekt "Musik bei vollem Bewusstsein" fand und finde ich gut. Von besinnlich bis "lass es krachen" war und ist alles dabei.

Ich erinnere mich jedenfalls nur zu gut, daß mein Leben von einem Soundtrack begleitet wurde und wird.

- mein "BierdosenPunk-Zeit" (Sex Pistols und Grandmaster Flash)
- mein "erstes Mal" (wohl offensichtlich mit der richtigen Musikwahl)
- mein "schönstes Mal" (mehr dazu verrate ich nicht)
- meine Studi- und "ich gebe mich jahrelang politisch aktiviert-Zeit"
- ...

... und ich passende musikalische Akzete einer (Jugend-)Kultur sehr zu schätzen weiss.

In diesem Sinne: Du sollst deine Musik so hören, wie du es am liebsten möchtest!

Guter Spruch, große Teile meines "Hörerdaseins" wären fern des HiFi-/HighEnd, mit so einem Spruch komme ich gut klar.

Gruß
Lego

PS:
Ganz großer Käse ist der Bolero von Ravel! ;-)

Hier gehts zum Auditorium ...

15 bearbeitet von DAU (Original: 2007-06-28 23:52)

Re: Der Umgang mit Musik und unser Hörverhalten

@Birk

Birk,28.06.2007, 17:45 schrieb:

Zum Thema große Archive: ... ff.

Ich interpretiere das erst einmal so, dass Du Dich evtl. an meiner Formulierung

myself schrieb:

Je nachdem, wie diese Sammlungen entstanden sind, ... ff.

ein wenig gestossen hast?

Hm, Du hast Recht, da steckt schon, wenn ich's jetzt noch einmal lese, eine kleine Spitze drin, war aber eigentlich eher als nüchterne Feststellung gedacht.

Ich würde es mal so formulieren: Das Thema Filesharing wollten wir hier eigentlich immer tunlichst vermeiden, da derzeit vernünftige und vor allem gewinnbringende Diskussionen, auch aufgrund der Rechtslage, kaum möglich sind. Ausserdem kannst Du davon ausgehen, dass die meisten Leute aus dieser Community an diesem Thema wohl eher in Hinsicht eines Tauschens auf gleicher Augenhöhe interessiert sein dürften, wenn überhaupt.

Wie Dir sicherlich schon aufgefallen sein wird, widmen wir uns dem Schwerpunkt der bitgenauen Audioreproduktion und allem, was sich damit irgendwie mehr oder minder verbinden lässt; was wiederum bedeutet, dass hier so mancher sein für den Erwerb von neuer Musik vorgesehenes Monatsbudget nicht all zu selten deutlich überstrapazieren dürfte. Bei mir jedenfalls ist es des öfteren so.

Sicherlich birgt das Filesharing auch Potential für den Erhalt kulturhistorischer Werte, aber zur Zeit gibt es da, auch auf politischer Ebene, fast gar kein Interesse, in diese Richtung überhaupt denken zu wollen. Die Rückschlüsse, warum das so ist, überlasse ich dem Einzelnen.

Um es zum Abschluss zu bringen – und das richtet sich auch an andere, die da evtl. gerne "einsteigen" (ja, ja, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod...) möchten: Von meiner, bzw. unserer Seite besteht kein gesteigertes Interesse, weiterhin auf dieses Thema einzugehen. Wenn jemand meine Formulierung als Affront empfinden mag, dann sei ihm hiermit noch einmal gesagt, dass sie nicht als solcher gedacht war.

Ich hoffe, dass das hiermit geklärt ist. Den an Dich gerichteten Sätzen von Zytophag zum Stichwort "bewusstes Hören" möchte ich mich anschliessen.

Gruss

P.S.: Na gut, die "Phrasierung" ;) ist geschenkt...

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