1 bearbeitet von Frank Bicking (Original: 2006-08-10 22:42)

Thema: Anti-Voodoo Argumentationshilfe

Nachfolgender Artikel ist als Ergänzung zu AudioHQ -> Blindhörtests gedacht und hiermit dank der Kopier-Genehmigung des Autors erstmal nur zur Diskussion gestellt werden. Der Schwerpunkt des Artikels liegt aber auf Blindtests im Hifi-Bereich. Ergebnisse einer evtl. entstehenden und auch erwünschten Diskussion werden hier auf AudioHQ eingearbeitet, aber auch gesammelt an den Autor und das Herkunftsforum zurückgemeldet. Passagen des Textes die sich auf das Herkunftsforum (siehe Quelle) beziehen habe ich der Form halber in oranger Textfarbe hervorgehoben, ansonsten habe ich den nur zum Zwecke der Formatierung ergänzt, an denen Stellen wo es der Text wegen der unterschiedlichen BB-Sprache der Forensoftware erforderte. Im Gegensatz zum Herkunftsforum haben wir bereits seit Beginn unserer Arbeit eine Klausel in unseren Nutzungsbestimmungen unter Punkt 6, auf den ich hiermit Hinweise..

Hier nun der Text von Pelmazo:

Ich schreibe diesen "kleinen" Beitrag für Nicht-Voodooisten, denen manchmal die guten Argumente in der Auseinandersetzung mit Voodooisten fehlen. Ich schreibe ihn aber auch für den Voodooisten, der hier seine Argumentation trainieren will, denn wer auf die hier angeführten Argumente eine gute Erwiderung weiß ist für die unvermeidlich hitzigen Diskussionen gut gewappnet. Vielleicht können so sich endlos im Kreis drehende Argumentationen vermieden werden, und neue Argumente haben die Chance, aus dem Geräuschpegel hervorzutreten. Diskussions-Neulinge können ggf. hierher verwiesen werden, und man braucht sie nicht erst aufwendig auf den richtigen Diskussionspegel heben.

Da ich selbst Nicht-Voodooist bin ist dieser Beitrag natürlich einseitig und subjektiv, wahrscheinlich auch niederträchtig und arrogant, und kann daher getrost ignoriert werden, falls einem der Inhalt mißfällt.

Noch eine Anmerkung zur Terminologie: Ich verwende hier Voodooist und Nicht-Voodooist, obwohl das blöde Begriffe sind. Ich kenne aber keine unblöden Begriffe dafür, auch "Goldohren" und "Holzohren", "Kabelklanghörer" und "Kabelklangverneiner" und ähnliche Schöpfungen sind ähnlich blöde. Namen sind Schall und Rauch, Hauptsache man weiß was gemeint ist. Ich definiere die Begriffe auch gar nicht, ich hoffe stattdessen daß die folgende Beschreibung schon die richtigen Assoziationen hervorrufen wird.

Der Voodooist glaubt an die klangliche Wirksamkeit von Zubehörteilen, die nach Meinung von Nicht-Voodooisten keine Wirksamkeit haben bzw. haben können. Die Diskussion beginnt also z.B. damit, daß der Voodooist die eindeutige Wirkung des Teils festgestellt zu haben behauptet, was der Nicht-Voodooist in das Reich der Einbildung verweist. Im Verlauf des sich daraus ergebenden Schlagabtausches treten eine Reihe von immer wiederkehrenden Arguimenten auf, die ich hier im Einzelnen diskutieren will. Der konkrete Anlaß der Diskussion spielt dabei sehr bald keine Rolle mehr, deswegen werde ich ihm auch keine Aufmerksamkeit schenken.

1. Ich war anfangs selber skeptisch, aber die Wirkung hat mich überzeugt

Diesem Argument liegt der Glaube zugrunde, man sei durch Skepsis vor Einbildung geschützt. Das kann allerdings höchstens für die Arten von Einbildung funktionieren, denen man sich bewußt ist. Und ob es für die funktioniert ist auch nicht sicher. Die Skepsis kann sogar geradezu verhindern, daß man die wahre Ursache einer Erscheinung bemerkt, wie einem so mancher Zauberkünstler bestätigen wird. Das funktioniert natürlich in beide Richtungen: Skepsis kann einen auch dazu bringen, etwas Vorhandenes nicht wahrzunehmen. Durch Skepsis wird man also nicht unbedingt objektiver, und das Argument hat nicht viel Wert.

2. Die Wissenschaft kann auch nicht alles erklären

Das kann man kaum leugnen, aber was ist mit diesem Argument gewonnen? Die Wahrheit irgendeiner beliebigen Behauptung folgt daraus ja wohl nicht. Das Argument läuft wohl eher auf den unterschwelligen Vorwurf hinaus, der Nicht-Voodooist würde nur das als wirklich gelten lassen was auch wissenschaftlich erklärt werden kann. Es mag oft so aussehen als ob viele Nicht-Voodooisten das tatsächlich behaupten, aber in weniger emotional aufgeladenen Situationen wären die Meisten nicht so kategorisch. Was den Nicht-Voodooisten massiv stört ist nicht die Anzweiflung der wissenschaftlichen Allwissenheit, sondern der scheinbare Glaube des Voodooisten, er habe damit ein Argument für seine Position, so als sagte er: "Weil die Wissenschaft nicht alles erklären kann mußt Du mir meine Story abkaufen". Muß man natürlich nicht. Die Story kann immer noch genausogut Quatsch sein.

Für jemanden der so schnell mit diesem Argument zur Hand ist fährt der Voodooist auch erstaunlich stark auf pseudowissenschaftliche Argumentationen ab. Man braucht nur das Marketingmaterial der Voodoohersteller ansehen um zu erkennen wie wichtig wenigstens der Anschein von Wissenschaftlichkeit ist. Der Voodooist ist weder willens noch (üblicherweise) in der Lage, den Schwindel zu entlarven, und er nimmt es einem Nicht-Voodooisten übel wenn er das tut. Das alles zeigt deutlich wie wichtig ein wissenschaftlicher Anstrich ist, folglich erscheint das Argument etwas deplaziert, ja geradezu unehrlich.

3. Das Gehör ist viel empfindlicher als Meßinstrumente

Das ist einfach falsch. Meßgeräte sind in jeder Hinsicht dem Gehör überlegen. Wo das Gehör allerdings im Vorteil ist die "Ganzheitlichkeit" der Wahrnehmung. Wer etwas mißt, der versucht möglichst nur das zu messen was ihn interessiert, und dabei alle Störfaktoren auszuschließen. Dem Gehör fallen mitunter auch Dinge auf nach denen es gar nicht gesucht hat. Wenn man also weiß wonach man sucht ist die Messung überlegen, wenn man das nicht weiß fängt man besser mit Hören an, und versucht daraus eine Idee dafür zu entwickeln was man messen will. Messen und Hören ergänzen sich so recht gut. Völlig unangebracht ist es allerdings, zu behaupten, man könne bestimmte Dinge prinzipiell nicht messen. Da wird die Meßtechnik und der Erfindungsreichtum der Wissenschaftler doch grob unterschätzt. Man kann z.B. sogar die "Schärfe" eines Klangs messen, weil man ein Modell dafür entwickelt hat.

Es liegt natürlich der Verdacht nahe, der Voodooist, der dieses Argument benutzt, wäre gar nicht an irgendwelchen Messungen interessiert. Unterschwellig könnte da ein Ressentiment gegen die Wissenschaft mitspielen, vielleicht aus einem Gefühl der Außenseiterschaft heraus. Viele Leute meinen, es müsse Dinge geben die dem Zugriff der Wissenschaft entzogen sind. Das merkt man natürlich viel stärker an ethischen Diskussionen, z.B. im Bereich der Medizin, aber auch die emotionale Bindung an Musik kann dazu führen daß man die "kalte" Wissenschaft als Störfaktor empfindet. Das ist natürlich paradox angesichts des Ausmaßes mit dem die Produktion und der Genuß von Musik von Wissenschaft und Technik abhängt.

4. Nicht die theoretische Argumentation, sondern das Hören zählt

Natürlich zählt das Hören, aber das ist mit Sicherheit nicht das Einzige was zählt. Ähnlich könnte man auch behaupten das Einzige was beim Auto zählt sei das Fahren. Wir wissen alle daß das nicht stimmt. Viele Leute bestellen ein Auto ohne es je probegefahren zu haben. Und die meisten Leute haben nicht das Budget dafür, sich ausschließlich am Fahrgenuß zu orientieren. Die Gründe für oder gegen eine Kaufentscheidung sind immer vielschichtig. Wer behauptet, ausschließlich ein Faktor sei maßgeblich, der lügt (sich in die Tasche).

Hören und Theoretisieren schließen sich durchaus nicht aus. Im Gegenteil, ich würde sagen sie ergänzen sich. Nicht umsonst hat jede schöpferische Kunst auch ihre theoretische Seite, die bei der Ausbildung ihren gebührenden Platz hat. So wie zur Musikausbildung auch Musikgeschichte und Musiktheorie gehört, so gehört zum Verständnis von HiFi auch die Elektronik und die Psychoakustik. Zum Genuß ist das wohlgemerkt nicht nötig, wohl aber wenn man sich fundiert darüber unterhalten will. Es ist daher ziemlich unangebracht wenn man dem "Theoretiker" mangelnde Genußfähigkeit oder fehlendes Interesse an der Musik vorwirft.

Es wäre daher besser wenn man die theoretische Argumentation als eine Chance zum "Kopftuning" begreift, die einem letztlich auch beim Genuß hilft. Das hat seine Parallelen bei anderen Bereichen des Genusses, z.B. beim Wein. Auch da hilft es wenn man sich damit theoretisch beschäftigt, indem es das Urteilsvermögen schärft.

5. Es könnte doch am (Skineffekt, Kristallresonanz, Magnetfeld, ...) liegen

Es gibt natürlich eine unendliche Anzahl von möglichen Einflußfaktoren auf das Hörerlebnis. Solange man keine Vorstellung von der Größe des Einflusses hat kann man überhaupt nichts ausschließen. Natürlich hat der Skineffekt einen Einfluß auf den Klang, so wie die Masse der Schnecke durch die Bewegungsenergie vergrößert wird (Relativitätstheorie) oder wie der Pegel des Bodensees durch einen reingekippten Eimer Wasser steigt. Die Beispiele zeigen daß es entscheidend wichtig ist, die Größe des Einflusses wenistens grob abzuschätzen. Bei anschaulichen Dingen wie dem Eimer im Bodensee mag man das instinktiv richtig machen, aber beim Skineffekt oder solchen Dingen versagt der Instinkt wenn man nicht genug Fachkenntnis hat.

Das wissen natürlich auch die Voodoohersteller. In deren "wissenschaftlichen" Begründungen findet man in der Regel Hinweise auf reale Effekte wie z.B. den Skineffekt, aber es fehlt jede quantitative Abschätzung des dadurch bewirkten Einflusses auf den Ton. Diese wird dem Vorstellungsvermögen des Kunden überlassen, und der neigt dazu, die Wirkung stark zu überschätzen. Auch wenn der Effekt zunächst richtig dargestellt wird, vielleicht sogar einschließlich der entsprechenden Formeln, so klafft doch in der Regel eine große argumentative Lücke zur behaupteten akustischen Wirkung.

6. Die Querdenker treiben die Wissenschaft voran

Ja, sofern sie ihre Quergedanken auch in eine zusammenhängende, nachprüfbare Theorie fassen, die der kritischen Überprüfung standhalten kann. Wenn jemand meint, etabliertes Wissen in Frage stellen zu sollen, dann sollte man schon einen Ansatz zu einer Alternative von ihm erwarten können. Von einem Voodooisten eine zusammenhängende, nachprüfbare Theorie zu bekommen ist aber ziemlich aussichtslos. Ebenso aussichtslos ist es daher, von ihm einen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt zu erwarten. Einige wenige Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.

Für eine wirkungsvolle Kritik einer etablierten Meinung ist es erforderlich, diese genau zu kennen, gerade in der Wissenschaft. Jeder Wissenschaftler der eine ältere Theorie widerlegt hat und eine neuere an ihre Stelle gesetzt hat kannte sich in der alten Theorie bestens aus. Das kann man natürlich nicht von jedem Hifi-Enthusiasten erwarten, zum Musikgenuß ist es sicher nicht nötig.

Wenn der Voodooist also mit den Namen berühmter Wissenschaftler hantiert, so ahnt man zugleich, daß er deren Beitrag zur Wissenschaft gar nicht verstanden hat, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren das sich da jemand mit fremden Federn schmücken will. Um das mal provokant zu formulieren: Zum Querdenken gehört nicht nur Quer, sondern auch Denken. Vor allem letzteres.

7. Wer's nicht selber probiert hat der kann auch nicht mitreden

Warum sollte das hier gelten wo es doch offenbar in so vielen anderen Feldern auch nicht gilt? Wer würde bezweifeln daß man über Drogen reden und sie erforschen kann ohne selber welche zu nehmen? Über Krankheiten, ohne sie selber zu haben? Wir alle reden doch häufig über Dinge die wir nicht selber erlebt haben. Ein Internet-Forum ist per Definition ein stummes, schriftliches Medium. Wenn es darauf ankäme daß man selber alles gehört haben muß dann wäre schon die Form des Forums unsinnig.

Wenn jemand in der Argumentation einen logischen Fehler hat, dann braucht man zur Kritik lediglich etwas von Logik zu verstehen. Wenn jemand etwas dem gesunden Menschenverstand Zuwiderlaufendes behauptet braucht man zur Kritik nur gesunden Menschenverstand. So kann jeder das kritisieren was im Bereich seiner Fähigkeiten liegt. Es ist das gute Argument was zählt. In einem Forum kann sowieso jeder vorgeben was er will. Die meisten werden zwar nicht geradeheraus lügen, aber dennoch kann ich nicht wissen ob jemand ein behauptetes Hörerlebnis tatsächlich so gehabt hat wie beschrieben. Der Eine mag von Phantasie beflügelt und von Überschwang getrieben sein, der Andere mag eine Erfahrung eines Dritten für seine eigene ausgeben. Nachprüfbar ist nichts davon, außer dem Argument an sich.

Im Übrigen ist es natürlich reizvoll, jedem das Mitspracherecht abzuerkennen, der eine unbequeme Meinung vertritt. Vorwände für eine solche Aberkennung gibt's viele, und sie sind notfalls auch schnell konstruiert.

8. Du bist arrogant/intolerant/nicht offen/anmaßend/... !!!

In vielen heißen Diskussionen wird irgendwann von der Diskussion über die Sache zur Diskussion über die Person übergegangen. Wenn da das Problem sitzt ist das natürlich sinnvoll. Es bietet aber auch eine einfache Möglichkeit, einem unbequemen Argument auszuweichen. Welches Motiv vorwiegt kann man oft an den näheren Umständen erkennen. Jemand, dem an der Sache gelegen ist und sich über ein Verhalten des Diskussionsgegners ärgert, der kann durchaus seinem Ärger Luft verschaffen und auf das Sachargument antworten. Das Eine schließt ja das Andere nicht aus. Wer demgegenüber einem unbequemen Sachargument ausweichen will, der wird darüber kein weiteres Wort verlieren und sich auf den persönlichen Angriff konzentrieren. Die ultima Ratio dieser Methode ist die "beleidigte Leberwurst", bei der man sich mit Hinweis auf die Verwerflichkeit des Gegners ganz aus der Diskussion verabschiedet. Dadurch beendet man nicht nur die unbequem gewordene Auseinandersetzung über die Sache, sondern "verewigt" auch die Diskreditierung des Gegners.

Es stehen dem Voodooisten überhaupt viele Möglichkeiten offen, die Diskussion vom unbequemen Thema wegzuführen (dem Nicht-Voodooisten natürlich auch). So kann man z.B. plötzlich ein anderes Thema anschneiden, vorzugsweise ein provokatives oder umstrittenes, und darauf hoffen daß der Diskussionsgegner darauf einsteigt. Wenn er leicht provozierbar ist wird das nicht schwer sein. Ein persönlicher Angriff ist natürlich besonders provokativ und funktioniert daher besonders gut. Man kann z.B. dem Gegner negative Motive unterstellen oder charakterliche Mängel. Seine entrüstete Reaktion kann man dann als weiteren Beweis werten und ihn damit noch mehr auf die Palme bringen. Oder man kann versuchen das Thema zu verwässern, indem man immer neue Aspekte herbeizieht, ohne sich um deren Relevanz zu kümmern. Wenn man Glück hat dann versucht der Diskussionsgegner diese im Einzelnen zu widerlegen. Daduch hat man ihm mit wenig Aufwand viel Mühe bereitet, und vielleicht findet man in seinen Ausführungen sogar noch etwas Beanstandenswertes, was man dann natürlich möglichst breittritt. Eine weitere Methode ist es, die Argumentation des Gegners bewußt mißzuverstehen oder zu ignorieren, so daß sich dieser herausgefordert fühlt, den Punkt noch pointierter herauszuarbeiten. Irgendwann wird er dann dabei zu weit gehen, und man kann ihm sein so überzeichnetes Argument leicht abschießen (absurd! zu pauschal!).

9. Ich muß nichts beweisen/beweise mir doch das Gegenteil!

Keiner muß. Wenn allerdings jemand Behauptungen aufstellt, die zweifelhaft sind, ohne einen Beweis oder auch nur ein überzeugendes Argument zu liefern, dann muß er eben mit Ablehnung rechnen. Wer Zustimmung will sollte auch bereit sein, etwas dafür zu tun. Behaupten ist billig, beweisen ist teuer. Wenn man also die Beweislast dem Gegner aufhalsen kann ist man klar im Vorteil.

Dabei geht's zunächst einmal gar nicht ums Beweisen. Es geht um's bessere Argument. Ein Beweis ist natürlich das ultimative Argument, das keinen Widerspruch mehr zuläßt. Aber wir haben gesehen daß was der Eine als Beweis akzeptiert für den Anderen noch lange keiner sein muß. Es gibt schließlich auch immer noch Leute die die Mondlandung anzweifeln, oder welche die den Holocaust leugnen. Welche Art von Beweis würde es brauchen um diese Leute zu überzeugen?

In Wirklichkeit geht's bei der Diskussion darum, wessen Argument mehr Überzeugungskraft hat. Das Urteil darüber liegt beim Publikum. Wenn man weiß man hat es mit einem unbelehrbaren Diskussionsgegner zu tun, dann argumentiert man nur scheinbar mit ihm, in Wirklichkeit aber geht es darum dem Publikum vorzuführen, wie schlecht die Argumente des Gegners und wie gut die Eigenen sind. Insofern ist es natürlich ein Trick, wenn man vom Gegner einen hieb- und stichfesten Beweis fordert. Man legt da die Meßlatte so hoch wie nur irgend möglich, und die Unehrlichkeit besteht darin daß man selber über diese Meßlatte ebensowenig hinüberkäme, es aber verschweigt.

10. Man kann nicht alles mit Einbildung abtun

Das wäre in der Tat etwas zu einfach. Im einen oder anderen Fall wird wohl schon eine tatsächliche Wirkung vorhanden sein. Nur: Es ist bekannt wie leicht sich das menschliche Bewußtsein an der Nase herumführen läßt. Sich etwas vorzumachen ist eine derart zentrale Fähigkeit des Gehirns, daß wir ohne sie wohl gar nicht leben könnten. Und es gehört natürlich dazu daß einem das nicht bewußt ist. In extremen Fällen sind es Lebenslügen, also man macht sich sein ganzes Leben lang etwas vor. Die Wurzel liegt oft in einem versteckten psychischen/menschlichen Bedürfnis. Es wäre naïv und anmaßend sich als davon frei zu halten. Wer darüber noch irgendwelche Illusionen hat sollte mal solche Bücher lesen wie Watzlawick's "Wie wirklich ist die Wirklichkeit". Auch die Pseudo-Tests (Fake-Tests) sind gut geeignet, sie zu zerstreuen.

Da ist es schon nicht überflüssig, darauf zu bestehen daß man Anstrengungen unternimmt, den subjektiven Faktor auszuschließen bevor man allgemeine Aussagen trifft. Kein Voodooist sollte also überrascht sein wenn man von ihm erwartet daß er erklärt wie er zur Überzeugung gelangt ist daß der Effekt real und nicht eingebildet ist. Ich weiß nicht wie es Anderen geht, aber ich bin durchaus daran interessiert, neue Informationen über hörbare Effekte zu gewinnen, aber ich habe auch keine Lust einem Phantom nachzurennen. Wer also auf Zustimmung Wert legt muß auch bereit sein, sich um Seriösität zu bemühen.

11. Blindtests bringen nichts

Blindtests haben schon außerordentlich viel gebracht. Allerhand interessante Erkenntnisse über das Hörvermögen gehen darauf zurück. Das soll nicht heißen daß die Blindtests perfekt seien oder die einzig richtige Methode. Wenn aber ein Test den subjektiven Faktor nicht einigermaßen zuverlässig ausschließt dann hat er nicht viel Beweiskraft.

Es ist schon etwas einseitig, wenn man auf der einen Seite die Blindtests wegen ihrer Schwächen ablehnt und sich dafür an Methoden hält, die noch viel größere Schwächen haben. So sinnvoll es ist, Schwächen in einem Testverfahren herauszuarbeiten und Verbesserungsvorschläge zu machen, so unsinnig ist es, wenn man diesbezüglich auf einem Auge blind ist (bzw. auf einem Ohr taub). Geradezu peinlich ist es, die Ausflüchte derjenigen anzusehen, die zuerst Blindtests nach ihren eigenen Vorstellungen durchführen, und nach deren Scheitern dann dazu übergehen, Blindtests als falsch abzulehnen. Ein Schelm der Böses dabei denkt. So etwas ist wohl immer dann zu beobachten wenn man die "Wahrheit" schon im Voraus zu kennen meint und sich die Wirklichkeit partout nicht daran halten will.

12. Man braucht eine hochwertige Anlage um den Effekt feststellen zu können

Das ist ein intuitiv einleuchtendes Argument, das dennoch sehr in die Irre führen kann. Natürlich: Wenn die "minderwertige" Anlage von sich aus so viele Störungen oder Verzerrungen produziert daß die Effekte des Voodoo-Zubehörs darin untergehen, dann stimmt es. Aber ab eines bestimmten Qualitätsniveaus ist das nicht mehr recht glaubwürdig. Dazu kommt daß die Berichte uneinheitlich sind, daß also viele Leute auch an hochwertigen Anlagen keinen Unterschied merken, oder daß der Unterschied in einer anderen Umgebung verschwindet.

Vielleicht ist der Unterschied ja mit "minderwertigen" Anlagen sogar besser zu hören? Da diese Anlagen sowieso nicht ernst genommen werden redet auch kaum einer drüber. Man ist da eher bereit, es auf die Anlage zu schieben. Aber was viel Geld gekostet hat muß ja wohl tadellos sein, oder? So fürchte ich daß z.B. hörbare Kabelunterschiede in Wirklichkeit auf Unzulänglichkeiten der Geräte zurückzuführen sind. Daß also eine Anlage, bei der solche Effekte hörbar sind, nicht etwa besonders hoch auflösend ist sondern vielleicht einfach besonders empfindlich auf Fremdeinflüsse. Was als ein gutes Zeichen wahrgenommen wird könnte in Wirklichkeit ein schlechtes sein.

Um die wirkliche Ursache eines solchen Effektes zu finden wäre es natürlich wichtig, ihn erst einmal sicher reproduzieren zu können. Erst dann hat es einen Sinn, mit Messungen nach der Ursache zu forschen.

Schließlich ist es ein auffälliger Widerspruch, mit welchen überschwänglichen Ausdrücken die Wirkungen des Voodoo-Zubehörs beschrieben werden, die doch auf der anderen Seite anscheinend so subtil sind daß sie bei schlechteren Anlagen, Streß, Ortswechsel etc. - insbesondere wenn man versucht sie dingfest zu machen - sofort abtauchen. Es ist natürlich geschäftsschädigend für einen Voodoo-Hersteller, wenn die Kundschaft glaubt, die Wirkung stelle sich nur an wenigen speziellen Anlagen ein. Man ist vielmehr daran interessiert, die möglichst allgemeine Wirksamkeit zu postulieren, und zwar in Worten die es nahelegen die Anlage klänge ohne das Zubehörteil wie durchs Telefon. Kleine Zwischenfrage: Wieviele Voodoo-Hersteller geben detaillierte Informationen, unter welchen Umständen bzw. an welchen Komponenten die Effekte feststellbar sind und an welchen nicht?

Ich habe auch den Verdacht daß Leute, die glauben, Unterschiede an ihren Anlagen zu hören, das als Zeichen dafür sehen, daß ihre Anlage sehr hohe Qualität hat. Zum Stolz über die eigenen hervorragenden Hörfähigkeiten kommt dann noch der Stolz über so eine hochwertige Anlage. Nicht umsonst zeigen diese Leute dann verletzten Stolz, wenn man die Effekte abstreitet.

13. Worüber diskutieren wir eigentlich?

Eine berechtigte Frage, wenn man sich so den Gang mancher Diskussionen ansieht. Spaßig ist es, wenn diese (rhetorische) Frage von denjenigen gestellt wird, die zuvor keine Gelegenheit ausgelassen haben, das Diskussionsthema zu verwässern. Generell ist die Kontrolle darüber, was das Thema ist (bzw. zu sein hat), ein machtvolles Instrument in einer Diskussion. Also gibt es immer wieder Leute, die Diskussionsaufseher spielen, und festlegen wollen was on-topic und was off-topic ist, oder wann die Diskussion beendet ist. Wenn das ein Moderator ist, der seine Aufgabe neutral erfüllt, dann ist das ein Vorteil. Wenn es aber ein Diskussionsteilnehmer ist, der auf diese Weise die Diskussion nach seinem Gusto steuern will, dann wird's ärgerlich. Wie oft haben wir schon den Versuch gesehen, die Diskussion genau dann für fruchtlos zu erklären und zu beenden, wenn der sich zum Aufseher aufschwingende Teilnehmer gerade in argumentativen Schwierigkeiten ist?

Ebenso dreist ist es, sich über die Diskussionssitten zu beschweren, nachdem man für deren Verfall selber gesorgt hat. Für den Verfall der Diskussionssitten ist selten eine Seite allein verantwortlich, daher sollte es genug Anlaß geben mit solchen Anklagen vorsichtig zu sein. Wer im Glashaus sitzt sollte schließlich nicht mit Steinen werfen. Und viele suchen den Splitter im Auge des Gegenüber, sehen aber den Balken im Eigenen nicht.


Schluß

Ich hoffe daß ich hiermit dazu beitragen kann daß die Voodoo-Diskussionen ein wenig interessanter und weniger stereotyp ablaufen. Vielleicht fühlt sich auch ein Voodooist angeregt, sich mit meinen Argumenten ernstlich auseinander zu setzen.

Hier gehts zum Auditorium ...